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TRANSFORMATION,
SICHTBARKEIT UND
GRENZÜBERSCHREITUNG

Artist Statement_Nina Santamarina

 

Ich arbeite mit Plastiktüten. Ihre Bestandteile nähe ich wie fragile Blüten zu transluziden Gespinsten, verschweiße sie zu weichen Ornamenten oder webe sie dicht wie Teppiche. Im öffentlichen Raum baue ich Interventionen aus Plastiktüten, die Wind und Lichteinfälle sichtbar machen. Ich spiele mit der Schönheit und der Gefahr, die von Plastik ausgeht.

Warum Plastiktüten? Als meine Großmutter krank wurde und wir ihr Haus auflösten, fanden wir Unmengen an Strumpfhosen. Anscheinend hatte sie, unbemerkt von der Familie, bei jedem Einkauf, eine oder zwei besorgt. Drei 100-Liter-Säcke, voller originalverpackter Strumpfwaren, nahm ich in mein Atelier nach Hamburg mit. Dort hängte ich sie auf Wäscheleinen, sortierte sie nach Farben und befüllte sie mit verschiedenen Materialien. Rote Plastiktüten ergaben in Kombination mit den Strumpfhosen wunderschöne Farbkompositionen und ließen sich im Nylon spielend zu Kugeln verarbeiten. So entstand eine Werkserie von Softskulpturen und die Plastiktüte wurde auch unabhängig vom Textil ein interessantes Material für mich. Im Nachhinein betrachtet war die Beschäftigung mit den Strumpfhosen meiner Großmutter auch eine Auseinandersetzung mit den übersehenen Zeichen ihrer Krankheit. Es war der Versuch, etwas Schreckliches in etwas Schönes zu verwandeln. Dieselbe Essenz liegt für mich in der Plastiktüte: Sie ist ein schreckliches Material mit zerstörerischem Potenzial, das ganz profan unsere Einkäufe transportiert und uns begleitet.

Wie Sie sehen, ist meine Arbeitsweise intuitiv: Ich entwerfe durch Experimente. Genauso habe ich meine eigenen Techniken zur Bearbeitung von Plastik entwickelt. Jedes Element der Plastiktüte hat einen eigenen Nutzen: Große Stücke lassen sich weben. Kleinere Abfallprodukte, die beim Weben entstehen, werden mit Stickvlies und Garn zu großen „Stoff“-Bahnen genäht; Mikroplastik nutze ich zum Verschweißen auf Teflonmatten. Hartplastik wird mit der Heißluftpistole zu Rahmen gebogen. Bei der Entwicklung meiner Objekte leiten mich vor allem die Gegebenheiten der Räume, für die ich arbeite. Jeder Bereich bietet seine ganz eigenen Bedingungen, die nach Lösungen oder Ergänzungen verlangen und mir helfen, neue Ideen zu entwickeln und bestehende zu perfektionieren. Den öffentlichen Raum begreife ich dabei ebenso als Arbeitsraum wie mein Atelier. Ich erprobe meine Modelle gerne an öffentlichen Plätzen, ohne um Erlaubnis zu bitten. Ephemere Guerilla-Kunst und kinetische Kreationen halte ich dabei filmisch und fotografisch fest. Die Dokumentation ist ein zentrales Element meiner Arbeit, denn so gebe ich mich, mit der Kamera in der Hand, als Urheberin der Kunst zu erkennen und komme mit Passant*innen ins Gespräch.

Mit meiner Arbeit schaffe ich neue Welten in der bestehenden und stelle die Fragen: Was ist wertvoll und was wertlos und wie lässt sich das Gegebene verändern? Wie kann ich das Schreckliche in Schönheit verwandeln?

VITA VITA VITA VITA VITA VITA VITA

Studium

2019  Weiterbildung Bau von Großplastiken
Jaques Tilly, Düsseldorf

2012-2015 Bachelor of Arts in Design Medien und Kommunikation 
Schwerpunkt Objekt- und Raumdesign, Klasse Nora Fuchs, FH Dortmund

2008-2011 Studium der Kunstgeschichte und Japanologie
Europäische Kunstgeschichte, Japanische Sprachwissenschaften, 
Ruhr Universität Bochum

Ausstellungen (Auswahl)

2025 plastic fantastic,*studio tonisam, HH

2024 FERTIL, Remise Artspace, HH


2024 Vor die Tür - Ausstellung im öffentlichen Raum, Kunstverein Meißen


2024 Hidden Colours, Grenzgänger Galerie, Nettetal 


2024 Schall und Rausch, Köntges, Mönchengladbach


2023 raumNEHMEN, Hamburger Architektursommer, xpon-art Gallery, HH


2023 WEHEN, Ernst Barlach Haus, Hamburger Architektursommer, HH


2023 Plastic Fantastic, Grenzgänger Galerie, Nettetal 


2022 Beyond BEYOND, Internationale SALOON Ausstellung, 
Meet Frida Gallery, HH


2021 Emotional Sculpture, Westwerk, HH


2020 Artist in Quarantine, Intervention, Nachtspeicher23e.V., HH


2020 YOU´VE GOT MAIL, MOM Art Space, HH


2020 Bunch of Kunst in Quarantine, Mara Johanna Kolmel, London


2019 Freistil, Gruppenausstellung mit Künstlerhaus Bergedorf, Hamburger 
Rathaus

Residenzen

2024 Okt.-Dez. Remise Artspace, HH
2020 März Nachtspeicher23e.V., HH
2015 März - Juni Thesis PUNKT PUNKT PUNKT, 
Malerische Intervention auf 200 qm Areal, Schermbeck, NRW

Kataloge

Workshops (Auswahl)

Kunst- und
Kulturvermittlung

​Seit 2013
Kunstvermittlerin - Kunsttheorie und - Praxis
u.a. Ernst Barlach Haus Hamburg, 

2021 - 2023
Dozentin - Forschendes Lernen durch Kunst
Lichtwarkschule und Lichtwarkgesellschaft (heute Stiftung Kulturvermögen), Kunst Pioniere der Kulturbehörde, Hamburg

2016 - 2020
Kulturvermittlerin - Wissensvermittlung zu Architektur und Musik
Elbphilharmonie Hamburg, Vorträge und erstellen von Skripten

2013-2015
Kursleiterin - soziale Kunstprojekte und Kulturpädagogik
Hochschule vor Ort FH Dortmund, Dortmund Nordstadt. Planung, 
Durchführung und Dokumentation sozialer Kunstprojekte

 

2013-2015

Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna. Workshops und Kunstvermittlung

© Janina Trienekens 
NINA SANTAMARINA

Peterskampweg 67

22089 Hamburg

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